Roadmap Elektromobilität 2022

Was bisher geschah

Gemeinsam viel in Bewegung gesetzt

Ob die Schweiz ihre Klimaziele erreicht, hängt nicht zuletzt vom raschen Erfolg der Elektromobilität ab. Mit der Roadmap Elektromobilität 2022 haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft und der öffentlichen Hand dazu bekannt, die Entwicklung in diesem Bereich gemeinsam zu fördern. Nach drei Jahren ziehen sie eine positive Bilanz.

Am 18. Dezember 2018 wurde in Bern die Roadmap Elektromobilität 2022 unterzeichnet. Mit dabei waren 50 Vertreterinnen und Vertreter der Automobil-, Elektrizitäts-, Immobilien- und Fahrzeugflottenbranche sowie von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden. Gemeinsam setzten sie sich zum Ziel, den Anteil der Steckerfahrzeuge (reine Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride) an den Neuzulassungen von Personenwagen von damals rund 3 Prozent auf 15 Prozent im Jahr 2022 zu erhöhen.

Initiiert wurde die Roadmap vom Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK. Die Aktivitäten werden vom Bundesamt für Energie (BFE) und vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) koordiniert. Die Roadmap ist ein breit abgestütztes Programm, das die Beteiligten gemeinschaftlich und freiwillig vorantreiben. Mit rund 65 konkreten Massnahmen tragen sie dazu bei, dass sich die Elektromobilität in der Schweiz rasch durchsetzt. Einige davon wurden bereits abgeschlossen, andere sind in der Umsetzung oder in Planung.

Der angestrebte 15-Prozent-Anteil von Steckerfahrzeugen bei den Neuzulassungen wurde bereits Anfang 2021 erreicht und dann im Jahresdurchschnitt 2021 mit fast 23 Prozent deutlich übertroffen. Diese Entwicklung und die positiven Erfahrungen der letzten Jahre motivieren die Akteurinnen und Akteure, ihr Engagement im Rahmen einer Roadmap Elektromobilität 2025 weiterzuführen.

Wie alles begann

2022 jährt sich zum 30. Mal die Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention der UNO in Rio de Janeiro. Auf diese erste allgemeine Übereinkunft über die Ziele in der Klimapolitik folgten mehrere Klimakonferenzen. 2015 in Paris setzten sich die Vertragspartner zum Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur «deutlich unter 2° C zu halten». Die Schweiz will ihre Verantwortung wahrnehmen, indem sie ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 halbiert und bis 2050 auf «Netto-Null» senkt.
Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, muss die Schweiz im Transportsektor rasch von fossilen Treibstoffen wegkommen. Mit der «Charta von Luzern» unterstrichen relevante Schweizer Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft 2010 die Dringlichkeit des Handelns. Sie verpflichteten sich dazu, der Schweiz mit ihren Aktivitäten den Weg in die Elektromobilität zu ebnen. 2015 definierte der Bundesrat in seinem Bericht zur Elektromobilität zahlreiche Massnahmen zur Förderung elektrisch betriebener Fahrzeuge. Und auch die Schweizer Autoimporteure wollten vorwärtsmachen und den Anteil der Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bis 2020 auf 10 Prozent zu erhöhen.

Auf Einladung von Bundesrätin Doris Leuthard versammelten sich am 28. Mai 2018 Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen, Städten und der Elektromobilitätsbranche sowie Flottenbetreiber und Verantwortliche der Baubranche. Sie diskutierten, wie der Anteil von Elektroautos innerhalb kurzer Zeit deutlich gesteigert werden kann. Im Nachgang zu diesem «Runden Tisch» reichten sie Vorschläge für geeignete Massnahmen ein. Daraus entstand die Roadmap Elektromobilität 2022. Sie wurde am 18. Dezember 2018 in Bern von 50 Vertreterinnen und Vertretern der Elektrizitäts-, Mobilitäts- und Immobilienbranche sowie des Bundes, der Kantone und der Städte und Gemeinden unterzeichnet. Zu den Erstunterzeichnenden gehörten unter anderem das UVEK und die Bundesämter für Energie (BFE), für Strassen (ASTRA), für Umwelt (BAFU), für Raumentwicklung (ARE) sowie für Bauten und Logistik (BBL). Weiter auch die Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK), die Energiedirektorenkonferenz (EnDK), der Schweizerische Städteverband (SSV) und der Schweizerische Gemeindeverband (SGV). Dazu kamen Akteurinnen und Akteure aus der Wirtschaft wie zum Beispiel die Post und die SBB, Bouygues, Fenaco, ABB, Alphabet, Electrosuisse, der Autogewerbe-Verband der Schweiz und die Mobilitätsclubs ACS, TCS und VCS. Weitere Unternehmen stiessen nachträglich dazu, etwa ewz, Swisscom und Uber.

Was die Roadmap ist – und was nicht

Die Roadmap Elektromobilität 2022 definierte als Ziel, den Anteil der Steckerfahrzeuge bei den Neuzulassungen von Personenwagen bis 2022 auf 15 Prozent zu erhöhen. Mit der Unterzeichnung bekräftigten die Teilnehmenden ihre Entschlossenheit, ihre Kräfte zu bündeln und mit verschiedenen Massnahmen die Ziele der Roadmap zu unterstützen.

Der Ansatz der Roadmap besteht nicht darin, die Elektromobilität mit schwerfälligen Förderprogrammen voranzubringen. Stattdessen soll die Elektromobilität mit gut abgestimmten freiwilligen Massnahmen, direkter Kommunikation und kurzen Wegen zwischen den Stakeholdern und dem Bund vorangebracht werden. Die Roadmap ist kein Top-Down-Masterplan, sondern das Abbild eines dynamischen Prozesses, der von der Eigeninitiative der Teilnehmenden lebt. Diese können Projekte selbstständig vorantreiben, aber auch zusammenarbeiten, um von Synergien zu profitieren und gemeinsamen Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen. Der Bund übernimmt dabei die Rolle des Koordinators und kann einzelnen Initiativen im Rahmen bestehender Finanzierungsgefässe Starthilfe gewähren. Zu den Aufgaben des Bundes gehören die Kommunikation, die Organisation und Moderation von Veranstaltungen sowie die Begleitung der Teilnehmenden. Das umfasst auch die Vermittlung von Kontakten und das Erfassen der Projektfortschritte. Diese Aufgaben werden von der beauftragten Geschäftsstelle wahrgenommen und mit Mitteln des BFE-Programms EnergieSchweiz finanziert.

Was die Roadmap geleistet hat

Fast dreieinhalb Jahre nach der Unterzeichnung kann die Roadmap eine positive Bilanz ziehen. Das Ziel, den Anteil der Steckerfahrzeuge an den Neuzulassungen auf 15 Prozent im Jahr 2022 zu erhöhen, wurde bereits 2021 deutlich übertroffen. Der in den letzten Jahren rasant wachsende Marktanteil der Elektromobilität in der Schweiz kann zwar nicht einzig der Roadmap zugeschrieben werden. Die Roadmap hat aber sicher zur Dynamisierung der Entwicklung beigetragen und die Rahmenbedingungen für die Elektromobilität verbessert. «Die hauptsächliche Absicht der Initiative war es, hemmende Faktoren zu beseitigen und ein günstiges Umfeld für die Entwicklung der Elektromobilität zu schaffen», sagt Alois Freidhof vom BFE, Projektleiter der Roadmap. «Dieses Ziel haben wir erreicht.»

Ein positives Resultat der Roadmap besteht darin, dass sie Konsens geschaffen hat: Die Teilnehmenden sind sich einig, dass es gemeinsame Anstrengungen braucht, um der Elektromobilität rasch zum Durchbruch zu verhelfen. Die einzelnen Akteure haben verschiedene Hintergründe und setzen unterschiedliche Akzente. Das Commitment für gemeinsame Ziele und der Austausch fördern das gegenseitige Verständnis und vermitteln das Gefühl, Teil einer Community mit einer wichtigen Aufgabe zu sein. Wer dabei ist, gestaltet die Zukunft der Elektromobilität aktiv mit, hat privilegierten Zugang zu privaten und staatlichen Stakeholdern und erhält Informationen des Bundes aus erster Hand. Das anhaltende Interesse an der Roadmap zeigt sich auch daran, dass seit 2018 mehrere namhafte Organisationen und Firmen dazugestossen sind und dass die Anzahl Massnahmen ansteigt.

Was Teilnehmende konkret unternehmen

Anhand einiger Beispiele wird deutlich, wie breit das Spektrum der Teilnehmenden und ihrer Aktivitäten zugunsten der Elektromobilität ist.

Electrosuisse organisiert regelmässig regionale Infotage zu den Themen Elektromobilität und Solarstrom unter dem Titel «Driving Experience». Dabei arbeitet der Verband für Elektro-, Energie- und Informationstechnik mit Garagisten vor Ort zusammen, die Elektrofahrzeuge für Probefahrten zur Verfügung stellen. Für Claudio Pfister, Leiter e-mobile von Electrosuisse, sind persönliche Fahrerlebnisse entscheidend, um Zweifel an der Elektromobilität auszuräumen: «Das fast geräuschlose Fahren und die starke Beschleunigung wecken Emotionen und die Bereitschaft zum Umsteigen.» Weitere Roadmap-Projekte von Electrosuisse sind ein Ladepark zu Demonstrationszwecken in Fehraltorf und die Förderung des Fachwissens von Elektroinstallateurinnen und -installateuren.

Das ASTRA beteiligte sich mit insgesamt fünf Massnahmen an der Roadmap 2022, von denen vier bereits umgesetzt sind. Zu diesen gehört etwa die Einführung von grün markierten Ladeplätzen oder die «Auflastung» von Elektrofahrzeugen. Diese gelten neu bis zu einem Gesamtgewicht von 4250 kg als leichte Motorfahrzeuge anstatt wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 3500 kg. Noch nicht abgeschlossen ist die Ausrüstung aller 100 Autobahnrastplätze des Bundes mit Schnellladestationen. Anfang 2019 hat das ASTRA fünf Anbietern den Zuschlag für die Realisierung dieser Anlagen erteilt. Bis Ende 2022 werden voraussichtlich etwa die Hälfte der Stationen in Betrieb sein, bis 2030 die restlichen. Dadurch wird das bereits bestehende Netz von (Schnell-)Ladestationen auf Raststätten, die den Kantonen gehören, weiter ausgebaut.

Der Verein Zukunftsregion Argovia hat zusammen mit den Partnern AEW Energie AG und der Eniwa AG im Kanton Aargau die Carsharing Plattform E-Cargovia aufgebaut. Seit November 2021 heisst das Angebot Swiss E-Car. Geplant ist nun ein weiterer Ausbau des Angebots mit regionalen Partnern in anderen Kantonen sowie eine Umwandlung in ein selbstständiges Unternehmen in den nächsten 1 bis 2 Jahren. «Als Mitglied der Roadmap haben wir von der Teilnahme insofern profitiert, dass wir Informationen über die Aktivitäten des Bundes aus erster Hand erhalten haben und diese Aktivitäten mitgestalten konnten», sagt Matthias Eifert, Geschäftsführer der Zukunftsregion Argovia. Swiss E-Car wird auch bei der Roadmap 2025 mitwirken und sich neue Ziele setzen. Im Fokus stehen neue Partner, neue Regionen und neue Angebote neben dem klassischen Public Carsharing.

Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) bewertet seit vielen Jahren die Umweltauswirkungen von Fahrzeugen anhand der Zulassungsdaten des ASTRA (www.eco-auto.info). Exklusiv publiziert er dabei auch Listen der Elektroautos und der Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge. «Wir wollen aufzeigen, dass es unter den Steckerfahrzeugen grosse Unterschiede in Bezug auf die Energieeffizienz und die Umweltauswirkungen gibt», sagt Projektleiterin Anette Michel vom VCS. «Damit bringen wir den Umweltaspekt in die Diskussion um die Elektromobilität ein.» Bewertet werden der CO2-Ausstoss, die Lärmemissionen sowie die Grösse der Batterie.

Wie der Austausch gefördert wird

Die Teilnehmenden der Roadmap sind in unterschiedlichen Bereichen tätig und stehen zum Teil in Konkurrenz zueinander. Ein zentrales Ziel bestand darin, den Austausch unter ihnen zu fördern. Dadurch konnten sie gemeinsame Interessen erkennen, ihre Aktivitäten aufeinander abstimmen und Synergien nutzen. Besonders wertvoll waren dabei physische Treffen. Aber auch die wegen der Covid19-Pandemie virtuell durchgeführten Events stiessen auf grosses Interesse. So nahmen an der 8. Plattform Elektromobilität vom 4. Februar 2022 rund 100 Personen teil und verfolgten die Präsentationen in einer Videokonferenz.

Die zwei bis drei Mal jährlich stattfindenden Plattformveranstaltungen waren allgemeinen Themen der Elektromobilität gewidmet. Sie brachten die Teilnehmenden auf den aktuellen Stand hinsichtlich Marktentwicklung, Ladeinfrastrukturen und Rahmenbedingungen. Zudem boten sie Anlass, die weitere Entwicklung der Roadmap zu diskutieren und sich auf gemeinsame Ziele zu einigen. Daneben gab es zahlreiche themenspezifische Workshops und Arbeitsgruppentreffen.

Die Roadmap ist zwar in erster Linie eine Austauschplattform für ihre Mitglieder, doch sie trat auch an die Öffentlichkeit: So etwa an den Kongressen zur Elektromobilität im Rahmen der Mobilitätsarena in Bern. Zudem fand am 11. März 2021ein «Spitzentreffen Elektromobilität» von Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Roadmap-Teilnehmenden statt, an dem das weitere Vorgehen in Sachen Elektromobilität diskutiert wurde. Dieser Austausch legte die Basis für die Ausgestaltung der Roadmap Elektromobilität 2025.

Wie sich die Roadmap weiterentwickelt

Seit einigen Jahren legt die Entwicklung vom Verbrennungs- zum Elektroantrieb beständig an Tempo zu. Die internationale Staatengemeinschaft, breite Kreise der Bevölkerung und der Wirtschaft wollen diesen Prozess weiter beschleunigen. So haben sich verschiedene grosse Autohersteller Termine gesetzt, bis wann sie in Europa nur noch Elektrofahrzeuge anbieten wollen. Die EU ihrerseits hat 2021 mit dem Paket «Fit for 55» ehrgeizigere Ziele bei der Reduktion des CO2-Ausstosses von Personen- und Lieferwagen beschlossen. Die Schweiz will die CO2-Zielwerte für den Fahrzeugimport dem EU-Recht anpassen und den Ausbau der Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge fördern.

Die dynamische Entwicklung motiviert auch die Mitglieder der Roadmap. Im Dezember 2020 begannen in der Community die Diskussionen über eine Fortführung der Roadmap-Initiative bis 2025. Die von Bundesrätin Simonetta Sommaruga im März 2021 präsentierten Stossrichtungen für neue Ziele wurden in den Folgemonaten weiterbearbeitet. Die Konsultation bei den Mitgliedern ergab eine fast einhellige Zustimmung zur Verlängerung der Roadmap und eine breite Unterstützung der Ziele. Ein Drittel der Mitglieder sprach sich sogar für ambitioniertere und verbindlicher formulierte Ziele aus. Geeinigt hat man sich schliesslich auf drei Ziele für die Roadmap 2025:
Erstens soll der Anteil der Steckerfahrzeuge an den Neuzulassungen bis 2025 auf 50 Prozent gesteigert werden. Zweitens soll bis dann die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladestationen von heute rund 7000 auf 20 000 wachsen. Und drittens setzen sich die Mitglieder dafür ein, dass bis 2025 benutzerfreundliche und netzdienliche Lademöglichkeiten in allen Ladesituationen, auch zuhause, zur Verfügung stehen. Zusätzlich geht es darum, vermehrt Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammenzuführen, um gemeinsam an sogenannten «Roadmap-Leuchttürmen» zu arbeiten. Im Vordergrund steht die Entwicklung von Ladeinfrastrukturen, die den zukünftigen Bedürfnissen gerecht werden. Mit den Workshops «Laden in Mehrparteiengebäuden» und «Laden im Quartier» haben am 4. März 2022 bereits gut besuchte Veranstaltungen dazu stattgefunden.

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